Seit rund zwei Jahren haben wir für sonniges Wetter bei unserer 50-Jahre-Jubiläumswallfahrt gebetet. Der Erfolg war durchschlagend: Am Samstag und Sonntag kletterte das Thermometer jeweils auf knapp 40 Grad. „Brennt die Sonne…“ – selten hat das Lied so gut gepasst. Trotz der angekündigten Hitze waren über 1.000 Pfadfinder und Pfadfinderinnen, vom 4jährigen Wichtel bis hin zum ergrauten Fahrtenveteran und vielen Eltern, nach Kloster Schöntal gekommen. Das ehemalige Zisterzienserkloster ist im malerischen Jagsttal zwischen Heilbronn und Würzburg gelegen und war die perfekte Kulisse für eine echte „Pfadfinder-Wallfahrt“, um das 50jährige Bestehen unseres Bundes zu feiern. Das Wochenende war dann auch eine bunte Mischung aus Pfadfinderleben und gemeinsamem Glauben: Zelten, Wandern, Postenlauf und Singerunde, kombiniert mit Fußwallfahrt, Rosenkranz, Katechese und feierlichem Festgottesdienst. Genau diese Verbindung von Gemeinschaft und Glaube, von Pfadfinderpädagogik und Katechese, von Abenteuer und Spiritualität, war eine der Gründungsideen der KPE vor 50 Jahren und prägt unser Selbstverständnis bis heute. „Wir packen den Lieben Gott nach dem Morgengebet nicht in den Rucksack und holen ihn abends wieder raus. Im Gegenteil, wenn wir unterwegs sind, sehen wir in seiner wunderbaren Schöpfung überall Gottes Spuren,“ erklärte P. Markus, Bundeskurat der KPE, in seiner Festpredigt. „Leben und Glaube gehören für uns zusammen wie Leib und Seele.“
In der kühlen Klosterkirche konnte man der Predigt gut zuhören. Im Freien dagegen hatten wir aufgrund der Hitze in vielen Punkten unser Programm anzupassen. Die Große Jagd von Seeonee für die Wölflinge wurde auf neue Routen in den Schatten verlegt, das Große Spiel durch die „speciosa vallis“ bekam im kühlen Wald ein neues Spielgebiet, und die Rote Stufe hatte in weiser Voraussicht ihr Escape-Abenteuer von Anfang an zum Langen See bzw. für ein Wasserrugby am Tiroler See geplant. Am meisten hatten freilich die Eltern zu leiden: Ihr Vortrag zum pädagogischen Thema „Zwischen Führen und Nachlassen“ fand im großen Festsaal des Bildungshauses statt, der sich als reinster Backofen entpuppte. Immerhin, damit passte der Vortrag, der ein „heißes Eisen“ der Kindererziehung thematisierte, gut zur Raumtemperatur!
Ein besonderer Höhepunkt war die Lichterprozession in der Abenddämmerung. Nach einem hitzigen Tag zog ein langer Zug von Kerzen zur nahgelegenen Heilig-Kreuz-Kapelle und viele junge und junggebliebene Herzen dankten dem Herrn für die vergangenen 50 Jahre. Mit ergreifender Anteilnahme sangen gerade die Wölflinge und schwenkten dazu ihre brennenden Kerzen. Zum Tagesabschluss begrüßte Ortspfarrer Bömer die jugendlichen Pilger und erteilte allen den Gute-Nacht-Segen, bevor die älteren Pfadfinder zur eucharistischen Anbetung in die Klosterkirche einzogen.
Beeindruckend war die reibungslose Organisation der zahlreichen Programmpunkte. Von den verschiedenen Aktivitäten in den Altersstufen, dem Zeltaufbau und Abendrunden, bis hin zum liturgischen Dienst und der Blaskapelle, die unsere Fußwallfahrt begleiteten: gemäß unserem Wahlspruch „Ich diene“ wurde alles von ehrenamtlichen Pfadfindern organisiert.
Und so gab es gemäß dem Jubiläumsmotto „50 Jahre Gute Tat – tat gut“ auch am Wochenende reichlich Gelegenheit für neue gute Taten, besonders beim Küchenteam, das die gesamte Schwar der Wallfahrer versorgte. Rund um die Uhr wurden Getränke verteilt und Wasserflaschen neu befüllt – ganz in Übereinstimmung mit dem Evangelium des betreffenden Sonntags: „Wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist – Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.“ (Mt 10,42) Den unmittelbaren Lohn durften wir gleich vor Ort noch erleben: Unzählige strahlende Kinderaugen!




































