Wölflingsausflug nach München

Ein Tag in der Landeshauptstadt

Um neun Uhr am Vormittag fährt der Zug Richtung München ab. Ausgerüstet mit dieser Information stehe ich mit meiner 13 Mann starken Wölflingsmeute „Graubruder“ und mit meinem Cousin Michael am Bahnhof in Eggmühl. Pünktlich – wie bei der Deutschen Bahn üblich – fährt um neun ein Regionalzug vor. Außen steht „Nürnberg – via Regensburg“. Passt, denke ich mir, der kommt von Nürnberg und fährt über Regensburg nach München. „ALLE EINSTEIGEN!!“ Meinen beiden Kleinsten (5 Jahre) gebe ich Einstiegshilfe, da sie, ohne den Bauch einziehen zu müssen, in den Schlitz zwischen Bahnsteig und Zug passen würden. Die Schaffnerin will schon dem Lokführer das Zeichen zum Weiterfahren geben, da meint plötzlich Michael, der die Schilder im Waggon nochmals aufmerksam mit den Tafeln auf dem Bahnsteig verglichen hat: „Ich glaub, wir sind im falschen Zug, der fährt doch nach Nürnberg!“ Ein Mitreisender bestätigt die Aussage. Oh nein! „ALLE AUSSTEIGEN!!“ Die Schaffnerin betrachtet uns etwas genervt mit hochgezogener Augenbraue. So, geschafft, alle draußen – oder? Schnell noch durchzählen: zwei, vier, … zwölf. Einer fehlt. Oh nein! Ich springe in den Zug. Die Schaffnerin wird schon noch warten. Doch nirgends ist ein Wölfling zu finden. Auch keiner der Passagiere hat einen kleinen Pfadfinder gesehen. Er wird doch nicht im Klo sein? Da fällt´s mir plötzlich ein: Wir sind nur zwölf. Der 13. steigt erst im nächsten Bahnhof zu. Deo gratias! Ich gebe der Schaffnerin grünes Licht und der Zug fährt nach Nürnberg. Unser erstes Abenteuer haben wir glorreich gemeistert, obwohl wir immer noch am selben Fleck stehen, wie vor einer Minute. Da kommt endlich der Zug aus der richtigen Richtung. Er ist heillos überfüllt. Klar – heute spielen die Bayern. Naja egal, in einer Stunde sind wir da! Im Zug normalisiert sich mein Puls langsam wieder.


Am Hauptbahnhof angekommen treffen wir Martin, der sich in München so gut auskennt wie im Architekturwesen (Anm.: Martin kennt sich in Sachen Architektur sehr gut aus!). Wir folgen ihm und gehen, an der bronzenen Wildsau vorbei, zur Frauenkirche. Danach stellen wir uns in zwei Reihen am Karlstor auf und begeistern die Passanten mit unseren Sangeskünsten. Das Ergebnis: 202,18€, ein arabisches Geldstück und für jeden einen Traubenzucker. Die (vorher vereinbarte) Summe, ab der jeder Wölfling nicht nur zwei, sondern drei Kugeln Eis bekommt, ist damit deutlich überschritten.
Singen ist anstrengend, darum müssen wir jetzt erst mal was essen, bevor es weitergeht. Im Park entdecken wir während des Essens in einem Teich eine 20-Cent-Münze. Spätestens jetzt ist auch beim letzten Abenteuer-Muffel der Schatzsucher-Instinkt erwacht und gemeinsam versuchen wir den Schatz zu bergen. Einige Zeit und viele wagemutige Aktionen später halten wir überglücklich das Goldstück in Händen. Unser Tagesverdienst steigt damit auf unglaubliche 202,38€.
Da mir der FC Bayern auf meine Anfrage, ob sich nicht ein Treffen vereinbaren ließe, mit „nein“ geantwortet hat, gehen wir nicht in die Säbener Straße, sondern zum Deutschen Museum und bewundern dort die großen Maschinen, Flugzeuge, Hubschrauber, Raketen, Schaufelbagger, Baggerschaufeln, Schiffe, Autos und so weiter. Danach stelle ich mit Schrecken fest, dass in einer Stunde unser Zug schon wieder fährt. Aber Moment – irgendwas fehlt doch noch… Genau, unsere selbstverdienten drei Kugeln Eis! Also auf zur nächsten Eisdiele. Nach kurzen Preisverhandlungen mit der Geschäftsleitung (Effektivrabatt: 20,64%) darf sich jeder seine drei Lieblingssorten bestellen (seitdem weiß ich auch, dass man scheinbar aus einem Schlumpf ein Eis machen kann).
Wir verabschieden uns von Martin und Veronika (die war nämlich auch dabei!), die in München bleiben, und fahren wieder heimwärts. Dem Himmel sei Dank für das schöne Wetter und die vielen Erlebnisse, denn im Gegensatz zu den im Zug anwesenden FC-Bayern-Fans können wir auf einen schönen Tag zurückblicken. Die Bayern haben nämlich gerade schon wieder verloren...

 

Eindrücke vom Winterlager: