Durch die Pyrenäen nach Lourdes

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8.000 Höhenmeter Erfahrung

115 g Müsli, 10 g Milchpulver, 55 g Käse, 60 g Wurst, 160 g Brot, etliche Höhenmeter, drückender Hüftgurt, Schlafmangel und eisige Kälte… sind das nicht verrückte Vorstellungen?! Und trotzdem konnte man Ende September in der Einsamkeit der Pyrenäen eine interessant zusammengestellte Gruppe beobachten, die das alles auf sich nahm. Vom städtischen Berliner bis zum tiefsten Allgäuer war alles vertreten. Nach drei Tagen in der Zivilisation mit dem Genuss katalanischer Messen, wunderbaren Fügungen, einem Besuch in der faszinierenden Sagrada Familia und auf dem Berg (und Kloster) Montserrat, machten wir uns voller Tatendrang auf in die Pyrenäen. Trotz unserer Erwartungen war uns allerdings nicht klar, wie unberechenbar die Pyrenäen zu dieser Jahreszeit sind. Als wir am Feuer kochend standen, die majestätischen Berge langsam um uns herum weiß wurden, wir erstaunt feststellten, dass einzelne Flocken auch die blaue Juja einfärbten, das Wasser im Wassersack gefror und die Zeltwand innen von einer glitzernden Eisschicht überzogen war, wurde uns bewusst: Es ist noch kälter als in unseren Befürchtungen!

Doch solche Schwierigkeiten verstärkten nur unsere Faszination für dieses seenreiche Gebirge, denn jede Schattenseite hat bekanntlich auch eine Sonnenseite. Kleine Sonnenstrahlen veranlassten uns immer wieder dazu, uns noch mehr in die Pyrenäen zu verlieben. Es waren Bilder von kristallklaren Seen, in denen die Kälte des saphirblauen Wassers nur wenige Schwimmzüge zuließ; von verträumten Lamas, die dem Sonnenuntergang entgegen eilten; von rauschenden Wasserfällen, deren enorme Kraft einen Schlafsack mitzureißen vermochte, und von der malerischen Sonne, die während der Hl. Messe langsam die Berggipfel mit ihrem wärmenden Schein umhüllte.
Doch nicht nur die atemberaubende Natur machte die Fahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis. Erbauende Gespräche auf dem Weg, von Vorfreude auf Rindsrouladen erfülltes Kochen auf dem glühenden Feuer, gemütliches Beisammensitzen im Zelt mit einer heißen Tasse Tee, welche die eisigen Fingerspitzen prickeln ließ, Diskussionen anregende Katechesen, gemeinsame Abendrunden bei fackelndem Lagerfeuer und Lieder, welche die Eindrücke des Tages in Worte fassten, prägten unsere fröhliche Gemeinschaft ebenso wie tiefe Momente mit Gott im Gebet mit- und füreinander und ein den Herrn preisender Angelus bei Erreichen des Gipfels auf 2.382 m.


Wie großartig war dann auch das Ziel unserer Wallfahrt, als wir nach einem letzten Abstieg von 1.000 Höhenmetern all unsere mitgetragenen Anliegen der lieben Gottesmutter in Lourdes übergeben durften. Unter anderem mit der Lichterprozession dankten wir für eine wundervolle Fahrt und legten voller Zuversicht unsere Bitten in ihre Hände. Ein ganz besonderes Geschenk der Mutter Gottes war die Möglichkeit, unseren Dienst in den Bädern zu erfüllen. Beeindruckend und ergreifend waren dabei zum einen der aufopfernde Einsatz der Helfer und zum anderen das berührende Vertrauen der Pilger. Wer dieses Ziel über die Pyrenäen erreichen möchte, dem wollen wir mit auf den Weg geben, was uns im Herzen als Erfahrung bleibt: Die Pyrenäen sind kein grauer Steinhaufen, sondern eine herrliche Ansammlung von Gipfeln, ja sogar ein gigantisches Gebirge, welches uns die Kreativität, Vielfältigkeit und Genialität Gottes erahnen lässt.