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Fünf Wochen divine providence PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 2. Dezember 2009

usa09150„Als Plan genügt eine Idee oder Absicht. Alles andere ergibt sich unterwegs.“ Mit diesem Tipp von FM von den Nerothern hatten wir im vergangenen Jahr die besten Erfahrungen gemacht. Die Vorbereitung unserer USA-Fahrt’09 war also denkbar einfach. Unsere Idee: USA-Westküste. Ein Blick ins Internet zeigte, dass man am billigsten nach Las Vegas fliegt und zurück von Vancouver in Kanada – womit die Route feststand: Unser Fahrt wird durch Nevada, Kalifornien, Oregon, Washington State bis nach British Columbia führen. Alle weiteren Details überließen wir großzügig der divine providence. Und wirklich: Immer wieder haben wir erlebt (acht Raider der KPE inkl. Kurat), wie unsere Fahrt während der fünf Wochen tagtäglich von der göttliche Vorsehung bis in Kleinigkeiten geleitet wurden.

KPE-Raider auf Sommerfahrt 2009 in den USAusa09066
Nach 11 Stunden Non-stop-Flug landen wir in Las Vegas, der city of sin. Wir verlassen das Terminal – und stehen in der Wüste. Natürlich, wir sind auch in Las Vegas. Der Airport liegt sogar ziemlich genau in der Mitte der Stadt. Aber gleichzeitig sind wir in der Wüste. 40 bis 50 Grad (Celsius) sind hier normal. Leider auch am 30. Juli 2009. Die Stadt ist reiner Irrsinn, nicht nur wegen der Casinos. Für die erste Nacht finden wir Unterschlupf in einer kath. Pfarrei. Alles passt: Die Pfarrangehörigen organisieren für uns spontan ein spanisches Menü zum Empfang, der Pfarrer chauffiert uns zu einer obligatorischen Sightseeing-Tour, und weil wir noch paar Sachen einkaufen müssen, überlässt er uns am nächsten Tag gleich den Schlüssel seines Autos – nachdem er uns zu einem ausführlichen Frühstück eingeladen hat, versteht sich.

amerika2009236Las Vegas ist der optimale Startpunkt für eine 5-Wochen-Fahrt: Egal wie sehr man an den Annehmlichkeiten der Zivilisation hängt, hier fällt niemandem der Abschied in die Wildnis schwer. Nichts wie weg. Aber leichter gesagt als getan: Wie kommt man aus Las Vegas heraus? Aus einer Stadt, die sich in jede Richtung über 30km er-streckt, durchteilt von 10spurigen Highways, bei unerträglicher Hitze? Noch mehr: Unsere erste Wanderung sollte dummer Weise genau auf der anderen Seite von Death Valley beginnen. Wir müssen also rund 500km quer durch die heißeste Tiefebene der USA. Und das per Tramp. Wir haben es versucht („…als Plan genügt eine Idee...“) und pünktlich waren am nächsten Tag alle am vereinbarten Treffpunkt.

Hier die Chronik einer Trampgruppe:
Mama mit Tochter hält an. Plus riesiger Hund. Leider lässt sich das Fenster des Autos nicht mehr schließen. Bei 50 Grad wirkt der Fahrtwind wie ein Föhn, der einem direkt ins Gesicht bläst. Beim Aussteigen drückt man uns unverhofft ein paar Dollarscheine in die Hand. Zweites Auto: Der Fahrer meintusa09370 es gut mit uns und bringt uns 30km weiter als er eigentlich selber will. Das 3. Auto fährt zwar nicht weit, aber man möchte uns am Ende unbedingt zum Essen einladen. Auch schön. Nummer 4: Ein Wagen stoppt, man erkundigt sich nach unserem Ziel. Wir verschweigen den eigentlichen Treffpunkt und nennen vorsichtig nur die nächste Ortschaft: Tonopah. 100km entfernt, dazwischen nur Wüste. Wir dürfen einsteigen. Unterwegs stellt sich heraus, dass er nur wegen uns dorthin fährt; in Tonopah wird kurz getankt und weiter geht’s. Am Ende sitzen wir für 180 km im Auto. Dann dreht er um und fährt zurück. Umgedreht hat auch das 5. Auto, aber aus anderen Gründen: Irgendwann fällt uns ein, dass unsere einzige Landkarte noch am Straßenrand liegt. Unser Fahrer nimmt es mit Humor und fährt zurück. Nr. 6 bringt uns zum Zielpunkt. Es ist der Traum eines jeden hitchhikers: Ein amerikanischer Truck. Pünktlich steigen wir am Treffpunkt aus. Der R.S. der Gruppe ist auch schon da. Immer gab es für jeden am rechten Ort zur rechten Zeit das rechte Auto.

usa09111Unser erster Hike geht durch den Inyo-National-Forest zum Yosemite-National-Park. Im Park gelten strenge Zugangsquoten: Für jeden Pfad werden täglich nur 10 Personen zugelassen. Ziel der Maßnahme ist der Schutz der einzigartigen Natur vor den Touristenmassen, die damit auf einen winzig kleinen Teil von Yosemite beschränkt werden. Wir haben Glück (…divine providence…): Auf unserem Wunsch-Trail sind ausnahmsweise noch Plätze frei; „zufällig“ genau für 8 Personen. In atemberaubender Kulisse verläuft unsere Route zwischen 2800 und 3500 m Höhe, vorbei an zahllosen Seen. Schon die Namen sprechen für sich: Shadow Lake, Garnet Lake, Thousand-Island-Lake usw. Es geht über Pässe mit spektakulären Aussichten, hindurch zwischen den Spitzen von 4000er wie Mount Ritter und Mount Lyell.

Als wir nach einigen Tagen zum ersten Mal wieder auf eine Straße stoßen, überlegen wir uns ernsthaft, ob wir nicht einfach weiterwandern sollen. Kann es woanders noch schöner werden? Doch ein Park-Ranger gibt uns interessante Tipps für nördlichere Parks. So vereinbaren wir einen Treffpunkt in der Trinity-Alps-Wilderness an der nördlichen Grenze von Kalifornien und versuchen am Straßenrand unser Glück mit dem Daumen.

Pünktlich sind wir am zweiten Tramptag wieder beisammen. Obwohl unser Treffpunkt auf einem vollständigusa09397 abgelegenen Seitenpass der Scott-Mountains liegt, hat jeder eine Mitfahrgelegenheit gefunden. Oder genauer: Jede Trampgruppe wurde von freundlichen Amerikaner zum gewünschten Zielpunkt gebracht. Vom Pass aus durchqueren wir in den folgenden Tagen vulkanisches Gebirge bis hin zur Castle-Crags-Wilderness; unser Trail schlängelt sich konstant auf gleicher Höhe einen Gebirgskamm entlang. Selten, aber doch regelmäßig, passieren wir Quellen und Seen mit traumhaften Lagerplätzen. Fast durchgehend sehen wir am Horizont einen riesigen, schneeweißen Gipfel: den Mount Shasta (4317m). So ist es kein Wunder, dass wir am Ende beschließen, noch die Besteigung des Vulkanberges dranzuhängen. (Leider stoppte am zweiten Tag des Aufstieges eine steile Eisrinne im Gipfelbereich unsere Expedition.)

Immer wieder haben uns Leute begeistert von der wilden Pazifikküste usa09471Oregons vorgeschwärmt. Damit war unser nächstes Fahrtengebiet vorbestimmt. Laut Karte liegt der einsamste Küstenstreifen zwischen Port Orford und Bandon – ergo vereinbarten wir dort unseren nächsten Treffpunkt. Ausgehend von Cape Blanco, einer Halbinsel, die 5 Meilen in den Pazifik hineinreicht, wollten wir ohne Weg an der Küste entlang nach Norden bis nach Bandon vordringen. Und wir wurden nicht enttäuscht: Nie hätten wir geglaubt, eine so einsame und abwechslungsreiche Küste zu finden. Bald stellten sich unserer (anfangs) gemütlichen Strand-Wanderung Bäche und Flüsse in den Weg, die hier ins Meer münden und teilweise nur schwimmend gequert werden konnten. Bald wurde aus unserem Strand eine Steilküste mit schier undurchdringbarem Urwald. Doch wo ein Wille, da ein Weg. Als Plan genügt eine Idee. Am Ende der Etappe hatten wir uns jedenfalls einen Ruhetag am Meer redlich verdient.

Als letztes Fahrtengebiet entschieden wir uns für den Olympic-National-Park im äußersten Nordwesten von Washington State, ein einzigartiger Kalt-Regenwald. Der ständige Nebel, deramerika2009547 vom Pazifik kommt, hat hier im Norden einen wirklichen Regenwald geschaffen. Zuvor aber mussten wir noch gut 700km auf dem Pacific Coast National Scenic Highway 101 zurücklegen. Einmal mehr erleben wir Freud und Leid einer Trampfahrt: Wir warten keine 5 Minuten, schon hält ein Auto, eine ältere Dame bringt uns voller Begeisterung 300km weit nach Nord („Oh, it’s the nicest day of this summer…“), geht mit uns zum Einkaufen, spendiert das Mittagessen, und am Abend kommen wir sogar in einem Hotel unter. Das Gegenteil am nächsten Tag: Niemand hält an (Rekord-Wartezeit: 7½ Std.). Vielleicht winkt aus einem Auto mal eine Hand von einer anderen Trampgruppe, die uns wieder einge- und überholt hat. Und wenn doch mal ein Wagen hält, kommen wir 5 Meilen weiter. Aber trotzdem: letztendlich halten genau so viele Autos, so dass alle am Ziel ankommen.

Pünktlich nach fünf Wochen erreichen wir Vancouver in Kanada, wo wir in der neugegründeten Pfarrei der usa09449Petrusbruderschaft herzlich aufgenommen werden. Wir lernen eine Gruppe von deutschen Aussiedlern kennen, die vor über 50 Jahren ihre Heimat verlassen haben, aber immer noch (oder gerade deswegen) mit Deutschland sehr verbunden sind. Man verwöhnt uns auf unglaubliche Weise: Mit mehreren Autos kutschiert man uns zur Besichtigung durch die Stadt, man lädt uns zum Essen ein, nimmt uns mit nach Hause, wir sitzen zusammen bei Kaffe, Kuchen und bayrischer Blasmusik, wir feiern zusammen die hl. Messe, und abends singen wir gemeinsam deutsche Volkslieder am Lagerfeuer (mitten in der Stadt!). Einmal mehr hat der Himmel alles bestens gefügt.

Noch nie haben wir so handgreiflich und spürbar erfahren, dass wir in unserem Abenteuer nicht auf uns allein gestellt sind, sondern dass unsere Fahrt offensichtlich geleitet wird. Nicht eine einzige Panne, aber täglich neue positive Überraschungen! Vor unserer Fahrt hatten wir mit einer KPE-Rangerrunde (die zeitgleich in der Türkei unterwegs war) vereinbart, jeden Tag füreinander ein Ave Maria zu beten. Ob es daran lag? Bei unserer Partnerrunde hat es jedenfalls ähnlich gut geklappt. Der Skeptiker wird an eine Verkettung von glücklichen Zufällen glauben. Vielleicht hätten wir vor der Fahrt auch so gedacht. Nicht mehr aber nach diesen fünf Wochen voller Fügungen der divine providence.

Deo gratias für diesen wunderbaren Sommer!

P. Markus
usa09429
Unsere Fahrt in Zahlen
Insgesamt haben wir rund 24.000 km per Tramp zurück-gelegt, pro Person ca. 3000km. Etwa 400 Autos haben uns mitgenommen. Unsere Fahrtenkasse hat insgesamt 400$ in bar geschenkt bekommen, nicht gerechnet die zahllosen Einladungen zum Essen…

 

 

 

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 2. Dezember 2009 )
 
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